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Gonzalo Gerardo Higuain hat es geschafft. Nicht Messi, nicht Ronaldo, “el pipita” hat den ersten Hattrick dieser Weltmeisterschaft erzielt.

Argentinien hat in der Offensive phasenweise zelebriert und “el pipita” hat das gemacht, was er so oft schon gemacht hat: Oft unglücklich aussehen, viel gelaufen und am Ende doch getroffen.
Gonzalo Higuain ist auch die Erinnerung an alte Zeiten. Heutzutage muss ein Spieler fast alles mit und ohne Ball können. Ein Innenverteidiger ohne gute Spieleröffnung ist im Spitzenfußball kaum noch zu finden, ein defensiver Mittelfeldspieler muss kopfballstark sein und ein Spielmacher körperlich robust sein. Früher wurde man noch in die Verteidigung gestellt, weil man technisch zu schlecht war, in Zeiten des modernen Fußballs sind Allroundfähigkeiten auf allen Positionen gefragt. Es ist einfach kein Platz mehr für Rollenspieler.
Ein “Pippo” Inzaghi konnte eigentlich nie was. Kein technisch beschlagener Spieler, das Gegenteil von robust und schnell war er auch nicht. Bewegt hat er sich nur, wenn eine Torchance in Sicht war. Inzaghi wird froh sein, dass die Messung von gelaufenen Metern im Spiel erst zum Ende seiner Karriere eingeführt wurde, wahrscheinlich hätte er sich mit dem Torwart um den letzten Platz geschlagen. Obwohl er keine besonderen Fähigkeiten an den Tag legen konnte, hat er in seiner Laufbahn mehr als 300 Tore erzielt und ist vielen Fans aufgrund seiner Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor in böser Erinnerung geblieben.
Der 23. Mai 2007 war so ein Tag. Die Mannschaft vom AC Mailand war damals schon überaltert und nicht wenige wunderten sich vor dem Spiel, dass Trainer Carlo Ancelotti statt Shootingstar Gilardino Filippo Inzaghi in der Startelf aufbot. Nichts könne dieser alte Mann, Gilardino bringe doch alles mit, was ein Stürmer braucht. Mit zwei Toren schoss er Milan zum Champions League- Sieg und strafte seine Kritiker Lügen. Es war der letzte große Auftritt von “Pippo” auf internationaler Bühne.

Die heutige Fußballwelt ist so kategorisiert und technologisiert, das Jugendspieler vom Typ Inzaghi durch’s Raster fallen würden. Auf den verschiedenen Positionen werden nur noch Prototypen benötigt und das taktische Konzept hat einen immer höheren Stellenwert bekommen.
Die Weltmeisterschaft in Südafrika ist ein Exponat dieser taktischen Zwänge. Man hat sich international auf ein Konzept geeignet: 5-6 Spieler sind fast ausschließlich für die Defensivarbeit, ein defensiver Mittelfeldspieler und ein Außenverteidiger dürfen auch vorne mal vorbeischauen. Beim Pressing arbeiten alle bis auf der Mittelstürmer mit, die anderen offensiven sind sehr flink und technisch beschlagen. Alles ist irgendwie gleich und austauschbar geworden, die taktischen Varianten unterscheiden sich fast nur noch nach offensiver/defensiver Ausrichtung.
Der besondere “Typ” Fußballer, der eigentlich nur eine Sache konnte, und die dafür richtig gut, wurde dem Systemfußball geopfert, weil er nicht zu berechnen war. Das macht die Weltmeisterschaft im Moment so langweilig: Alles weiß man vorher schon und kann sich deswegen hervorragend darauf einstellen. Mit der systemorientierten Ausbildung fand auch die Charakterentwicklung Einzug in die Nachwuchszentren. Es wird wert darauf gelegt, dass sich die Spieler bei Interviews wohl artikuliert ausdrücken und keine Schlagzeilen neben dem Platz machen. Der gewünschte Profi der Zukunft ist glatt und brav.
Wo bleiben die Baslers dieser Welt, die sich vor dem Eckball einen Hut aufsetzen? Wo sind die Podolskis, die das Wort ‘Interviewtraining’ noch nie gehört haben?
Sicherlich, der ein oder andere wird sich nicht erziehen lassen, aber das wird die Ausnahme bleiben. Die Charaktere, die diesen ganzen Profibetrieb unterhaltsam und sympathisch gemacht haben, werden von braven Messis abgelöst.
Ein Grund zur Trauer?